Eine Person in einen Bademantel gehüllt auf einem Liegestuhl, im Vordergrund eine Reihe leerer Liegestühle

MediFICTION

Freuen auch Sie sich auf die kuriose Geschichte vom blauen Bademantel!

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Folge 1

Logo MedifictionDie rätselhaftesten Ereignisse verstecken sich im Alltäglichen, geschehen oft nahezu beiläufig. Ihre Wirkung auf uns zeigt sich dann erst später. Genauso verhielt es sich mit jenem blauen Bademantel, der vor einem Jahr die Gemüter vieler Menschen im Marienkrankenhaus zu K. bewegte. Ich leistete dort damals meinen Zivildienst ab und war unmittelbar in die Ereignisse involviert.

Es begann damit, dass eines Tages auf der gynäkologischen Station ein mitternachtblauer Bademantel auftauchte, der keiner der Patientinnen zu gehören schien. Er lag einfach da auf einem der Besucherstühle. Zunächst kümmerte sich niemand um ihn, denn alle nahmen an, dass sich früher oder später die Besitzerin melden würde. Als das nach einigen Tagen nicht geschehen war, tat ich etwas, was bis dahin offenbar noch niemand getan hatte: Ich untersuchte die Taschen. Was ich dort fand, erstaunte mich, denn ihr Inhalt ließ eindeutig auf einen männlichen Besitzer schließen – aufgefunden hatte man den Bademantel nun aber unbestreitbar auf der gynäkologischen Station. Neben einer schlichten Pfeife, einer runden Dose Pfeifentabak, einem Feuerzeug und einer Herrenarmbanduhr fanden sich ein paar getrocknete Kräuter. Zuerst dachte ich, es wäre Marihuana, doch als ich daran roch, fand ich, dass es eher wie das Gewürzregal zu Hause roch. Ein Mix aus Oregano, Majoran, Thymian vielleicht – aber eben mit einer sehr harzigwürzigen Note, die ich nicht identifizieren konnte.

Während ich noch am Bademantel herumschnüffelte, kam Schwester Julia um die Ecke – süß, jung und vor Energie und Spottlust nur so sprühend. "Unser Zivi scheint seine Nase aber auch überall reinstecken zu müssen. Aber ausgerechnet in einen Herrenbademantel? Das hätte ich nicht von dir gedacht." Weil Julia mir alles andere als gleichgültig war, wurde ich umgehend rot und stammelte: "Wieso Herrenbademantel? Der könnte ebenso gut einer Frau gehören" Die Antwort war ebenso einleuchtend wie ernüchternd: "Glaubst du etwa, dass du der erste bist, der in die Taschen geschaut hat?" "Natürlich nicht, aber das beweist noch nicht, dass er wirklich auch einem Mann gehört. Männer, die auf diese Station kommen, sind Besucher oder Ärzte und haben keinen Bademantel an. Aber wenn du schon so schlau bist, wirst du sicher auch wissen, wem das Ding gehört, oder?"

Das konnte sie natürlich nicht, obwohl sich in den letzten Tagen alle Schwestern auf der Station immer wieder mit dem rätselhaften Bademantel beschäftigt hatten. Sehr zum Verdruss übrigens von Oberschwester Gertrud, der jede Störung des normalen Ablaufes auf ihrer Station ein scharfer Dorn im Auge war. Und ausgerechnet die bog nun um die Ecke. Ich raffte den Bademantel rasch an mich und machte, dass ich weiterkam.

Als ich am nächsten Morgen erneut die Taschen untersuchte, staunte ich sehr: Ein paar Schachfiguren, zwei flache Kiesel, eine unbeschriftete Ansichtskarte aus Helsinki und ein kleines rotes Spielzeugauto fanden sich nun neben den seltsamen Pflanzenkrümeln darin. Nachdem im weiteren Verlauf des Tages verschiedene Kollegen wiederum gänzlich andere Dinge aus den Taschen gefördert hatten, begann der blaue Bademantel die Menschen zu beschäftigen.

Weiter geht es am 11.04.2008!

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