Eine Person in einen Bademantel gehüllt auf einem Liegestuhl, im Vordergrund eine Reihe leerer Liegestühle

MediFICTION

Freuen auch Sie sich auf die kuriose Geschichte vom blauen Bademantel!

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Folge 2

Logo MedifictionAndeutungen über einen blauen Bademantel mit seltsamen Eigenschaften hatten die Runde gemacht – auch wenn bislang niemand wirklich zu sagen vermocht hätte, worin denn nun das Besondere der ganzen Angelegenheit bestand. Trotzdem wollten alle ihn sehen. Oberschwester Gertrud war hin und her gerissen. Nachdem sie nicht mehr an ein Störmanöver seitens ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dachte, begann sie, sich mit der Situation zu arrangieren. Auf der einen Seite missfiel ihr zwar der Trubel, weil er die Normalität der Stationsarbeit empfindlich störte. Auf der anderen Seite kam es ihr so vor, als würde sie selber im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen und als gelte der ganze Trubel ihr.

Die Besucher selbst waren ebenfalls hin und her gerissen. Die nüchternen unter ihnen sahen nur einen blauen Bademantel, mit dem irgendjemand seinen Spaß getrieben hatte. Einige besonders romantisch veranlagte Besucherinnen hingegen glaubten tatsächlich, dass irgendein geheimnisvolles Wesen in diesem Bademantel lebte und sich ihnen mitteilen wollte. Diese Besuchergruppe war natürlich sehr enttäuscht, wenn sie merkte, dass ihnen nur ein Blick auf den Bademantel gestattet war und man das Wesen nicht streicheln durfte. Wieder andere sorgten sich um das Ansehen des Hauses und forderten mit deutlichen Worten, dieses komische, muffige Kleidungsstück in die Altkleidersammlung zu geben, um endlich wieder Ruhe einkehren zu lassen. Die meisten Besucher jedoch freuten sich über die kleine Ablenkung vom grauen Einerlei des Krankenhausalltags. Und irgendwie hatten sie auf ihre Weise alle Recht: Die Welt ist eben so, wie man sie sieht. Der blaue Bademantel stellte diese Einsicht in den nächsten Tagen unter Beweis.

Ich persönlich verstand diesen ganzen Aufruhr um ein Kleidungsstück nicht so recht und versuchte weiter mein Glück bei Schwester Julia. Nüchtern betrachtet war bislang noch gar nichts Besonderes geschehen – weder hinsichtlich meiner Annäherungsbemühungen an Julia noch bezüglich des Bademantels. Gut, ein Kleidungsstück neigte dazu, verschiedene Dinge in seinen Taschen anzusammeln, ohne dass jemand zugab, diese hineingetan zu haben schein. Außerdem roch es komisch.

Zwischenzeitlich waren übrigens ein Jojo, ein Satz Geigensaiten, mehrere Glasmurmeln, ein Duftwasser nebulöser Herkunft sowie ein Heft mit japanischen Comics in den tiefen Taschen des Bademantels aufgetaucht. Fast hätte man meinen können, dieser Bademantel sei das hier vergessene Kleidungsstück eines Zauberers, der noch ein wenig üben musste bevor er endlich das berühmte Kaninchen aus dem Hut, die Karte aus dem Ärmel oder die Taube aus dem Umhang schütteln konnte – nicht nur, dass alles aus der Tasche kam statt aus dem Ärmeln. Zudem wirkten die hervorgezauberten Sachen in ihrer Zufälligkeit etwas unbeholfen für einen wahren Meister der Magie. Aber am schwersten wog dieses Argument: Seit wann konnte das Kleidungsstück eines Zauberers ohne den dazu gehörigen Zauberer zaubern?

Weiter geht es am 18.04.2008!

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