Eine Person in einen Bademantel gehüllt auf einem Liegestuhl, im Vordergrund eine Reihe leerer Liegestühle

MediFICTION

Freuen auch Sie sich auf die kuriose Geschichte vom blauen Bademantel!

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Folge 4

Logo MedifictionNoch ehe der Alarm aus dem Labor kam, wussten Julia und ich Bescheid: Der blaue Bademantel war entwichen. Wie ihm das gelungen war, das wussten wir nicht. Dass es ihm gelungen war – daran bestand kein Zweifel. Denn er war wieder bei uns auf der Station aufgetaucht. Die Torturen der labortechnischen Untersuchung schien er gut weggesteckt zu haben. Etwas ausgefranst zwar an einigen Stellen und überall dort, wo man Testflüssigkeiten aufgebracht hatte, ein wenig bleicher, doch insgesamt gut in Schuss. Dass seine rätselhaften Fähigkeiten unter der Untersuchung nicht gelitten hatten, stellte er sogleich eindrucksvoll unter Beweis, indem er in seinen Taschen Krokusse, Narzissen und Hyazinthen wachsen ließ. Ich persönlich mag den Geruch von Hyazinthen überhaupt nicht, doch beeindruckt war ich schon.

Innerhalb eines einzigen Tages brachte der blaue Bademantel außerdem eine Ausgabe der New York Times aus dem Jahr 1953, das zerlegte Räderwerk einer Taschenuhr, mehrere Paar Handschuhe, eine Handvoll feiner Wachskerzen, einen abgenagten Bleistiftstummel und wieder einige rund geschliffene Kiesel hervor. Am Ende des Tages schien seine Energie erschöpft zu sein, der typische harzig-herbe Duft zeigte jedoch an, dass er wieder die vertrauten Kräuter produziert hatte. Wobei das Wort "produziert" vielleicht gar nicht richtig war, denn wie die Sachen wirklich in die Taschen gekommen waren, das wusste immer noch niemand zu sagen.

Julia war ebenfalls klar, dass die Fähigkeiten des blauen Bademantels nunmehr eine neue Dimension erreicht hatten und man ihn nicht einfach achtlos herumliegen lassen konnte. Dafür war er viel zu prominent: "Ich denke, wir sollten ihn nicht auf Station lassen. Ich werde ihn mit nach Hause nehmen. Dann kann ich ihn über Nacht bewachen. Morgen früh bring ich ihn wieder mit" "Gute Idee. Übrigens: Ich helfe dir gern beim Bewachen! Ich meine, dann musst du nicht allein die ganze Verantwortung für das kostbare Stück tragen." Verdammt, meine Annäherungsversuche wurden immer plumper und wurden prompt mit einem kühlen Blick unter hochgezogenen Augenbrauen beantwortet. Dieser Frau war noch schwerer beizukommen als dem Bademantel. Langsam begann ich mich zu fragen, ob das Eis zwischen uns überhaupt jemals brechen würde. Zwar knackte es immer wieder mal, doch danach schien die Eisdecke nicht brüchiger, sondern jedes Mal noch ein wenig dicker geworden sein als zuvor. Jedenfalls schien Schwester Julia diesem Badenmantel seit heute weitaus mehr Aufmerksamkeit zu schenken als mir. Was hätte ich darum gegeben, an Stelle des Bademantels zu sein. Vielleicht hätte ich sogar ein paar Zaubertricks gelernt. Aber irgendwie schien der Bademantel darüber hinaus noch etwas zu haben, was ich nicht hatte.

Der nächsten Morgen brachte eine Überraschung: Julia hatte wie versprochen den Bademantel wieder mitgebracht. Er steckte in einer großen Plastiktüte, die sie an ihre Brust gedrückt hielt. Irgendwie schien sie den Bademantel nicht auspacken zu wollen, sondern schaute mich unsicher an. "Na los, was ist? Hast du ihn mit Marmelade bekleckert und traust dich jetzt nicht, ihn auszupacken? Wozu gibt’s Waschmaschinen? Komm schon, gib her!" Julia umklammerte die Tüte noch etwas fester. Aber schließlich gelang es mir, ihn aus seinem Plastikgefängnis zu befreien. Was ich dann sah, verschlug mir den Atem. "Ist das - - - deins?" fragte ich sie.

Weiter geht es am 02.05.2008!

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