Eine Person in einen Bademantel gehüllt auf einem Liegestuhl, im Vordergrund eine Reihe leerer Liegestühle

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Freuen auch Sie sich auf die kuriose Geschichte vom blauen Bademantel!

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Folge 5

Logo MedifictionIch traute meinen Augen nicht: Der blaue Bademantel war nicht mehr allein – innig hielten seine Ärmel ein rosafarbenes Nachthemd umschlungen. Und auch das rosafarbene Nachthemd wirkte alles andere als passiv: Seine Ärmel verschwanden im Inneren des Bademantels. "Ist das deins?" wiederholte ich meine Frage. Julia nickte. "Ja. Als ich es heute Morgen ausgezogen hatte um duschen zu gehen, hab ich es auf den Bademantel gelegt. Da muss es passiert sein. Als ich aus dem Bad zurückkam, waren sie schon, wie soll ich sagen, sehr beschäftigt miteinander." Sie sah mich ratlos an. "Und man bekommt sie gar nicht mehr auseinander. Wenn es nicht so unmöglich wäre, würde ich sagen: Der Bademantel und das Nachthemd sind verliebt." Ich war in den Anblick des dünnen, leicht durchsichtigen rosafarbenen Nachthemds versunken und stellte mir seine Besitzerin darin vor. "Ja, das kommt wohl vor", sagte ich abwesend. "Was machen wir denn nun? Man kann sie doch nicht auseinander reißen!", meinte Julia. "Hm, vielleicht geben wir sie in die Chirurgie?", versuchte ich es mit Ironie. "Die haben Erfahrung mit siamesischen Zwillingen und könnten bestimmt auch das hier trennen." "Aber das wäre doch gemein!" Julia und ich sahen uns in die Augen. "Ja", hauchte ich. "das wäre wirklich gemein." Und eh wir uns versahen, lagen wir uns in den Armen, küssten uns und hielten uns nicht weniger eng umschlungen als die beiden Textilien es taten.

Innerhalb der nächsten Stunden wurden der blaue Bademantel und das rosafarbene Nachthemd zur großen Attraktion auf der Station. Schwestern, Pfleger, eine Stationsärztin, zwei Hebammen von der benachbarten Entbindungsstation, der Hausmeister, der gerade eine Leuchtstoffröhre auswechseln wollte, Patientinnen, Angehörige, die zu Besuch waren – alle waren fasziniert von diesem skurrilen, seltsam unschuldigen Liebesspiel zwischen einem Bademantel und einem Nachthemd. "Fast könnte man meinen, dass sie stöhnen, oder?" "Ja, ich glaub, ich hab auch was gehört." "Was kommt wohl dabei heraus, wenn sie ein Kind machen?" "Vielleicht ein blaues Frotteenachthemd?" Alle lachten und kicherten – so was hatte die Station in den 80 Jahren ihres Bestehens noch nicht erlebt. Ich aber zog Julia wieder fest an mich und küsste sie. "Heute Nacht wirst du wohl ohne Nachthemd auskommen müssen." Doch wir waren nicht die einzigen, bei denen sich was regte: eine Hebamme und ein Pfleger, die Stationsärztin und der Hausmeister, ein Angehöriger, der seine Tante besuchte, und eine Kollegin von Julia – alles suchte und vieles fand sich an diesem Abend.

Der einzige Mensch auf der gesamten Station, der in diesen Tagen nicht ein Gefühl der Verliebtheit in sich spürte, war Oberschwester Gertrud. Je verliebter alle anderen waren, desto grimmiger reagierte sie auf ihre Umgebung. Doch niemand kümmerte sich um Oberschwester Gertrud, denn alle waren damit beschäftigt, verliebt zu sein. Manche waren ineinander verliebt so wie Julia und ich, manche aber auch einfach nur in den blauen Himmel mit seinen weißen Schönwetterwolken, die langsam sich wärmende Frühlingsluft und in das Vogelgezwitscher im Park. Man könnte also fast von einer Art Hochdruckgebiet für die Seele sprechen. Jedenfalls fiel kein böses Wort unter Kollegen und auch die Patientinnen und Familienangehörige waren heiter und fühlten sich wohl. Natürlich blieb diese Stimmung, von der alle wie von einem Virus erfasst waren, nicht ohne Folgen für das tägliche Miteinander auf der Station, doch waren diese Folgen selbst aus Sicht der verantwortlichen und vom gleichen Gefühl erfassten Ärzte nur als positiv zu bezeichnen: Ängste und Depressionen reduzierten sich auf ein Minimum, der Medikamentenverbrauch sank, sämtliche Operationen verliefen ohne Probleme und jede Entbindung im benachbarten Kreißsaal war eine ausgesprochene Bilderbuchgeburt.

Weiter geht es am 09.05.2008!

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