Eine Person in einen Bademantel gehüllt auf einem Liegestuhl, im Vordergrund eine Reihe leerer Liegestühle

MediFICTION

Freuen auch Sie sich auf die kuriose Geschichte vom blauen Bademantel!

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Folge 8

Logo MedifictionAm nächsten Morgen war der blaue Bademantel weg. Er hatte wie immer in letzter Zeit bei uns übernachtet und war, als wir nach einem schnellen Frühstück zur Arbeit aufbrechen wollten, einfach nicht mehr da. Julia und ich verdächtigten uns scherzend eine Weile gegenseitig, bis mir dämmerte, dass es ernst war. Doch wo konnte er sein? Die Balkontür hatte die ganze Nacht über offen gestanden – da Julias Zweizimmerwohnung sich im vierten Stock befand, brauchte man keine Angst vor Einbrechern zu haben. Höchstens vor Ausbrechern – denn ohne jeden Zweifel war der blaue Bademantel durch diese offene Balkontür davongeflogen. Vielleicht mochte er es nicht, als pures Fantasieprodukt abgetan zu werden und war beleidigt davongeflogen.

Da wir keine Zeit mehr zu verlieren hatten, wenn wir noch pünktlich zum Dienst erscheinen wollten, ließen wir die Frage nach dem Verbleib des blauen Bademantels offen. Im Stadtbus sah ich in der Zeitung meines Sitznachbarn die neuesten Schlagzeile über unseren Fall: "Bekannter Star-Zauberer aus Budapest: Der Zaubermantel gehört mir!" Der unter dem Namen Draco auftretende Magier behauptete, dass ihm ein blauer Bademantel, der das Glanz- und Prunkstück seiner Tournee werden sollte, vor einigen Wochen entwendet worden sei.

Auf Station angekommen, begann ich erst einmal in allen möglichen und unmöglichen Ecken nach dem blauen Bademantel zu suchen. Vielleicht hatte er ja Heimweh bekommen und sich auf den Weg zu dem Ort gemacht, den er als sein Zuhause betrachtete. Julia hatte ihr rosafarbenes Nachthemd trotz meines Zuredens leider nicht mitgebracht – ich hatte vorgehabt, es als Köder für den blauen Bademantel auszulegen.

Ich suchte noch eine Weile vergeblich weiter, bis ich aufgab. Früher oder später, da war ich mir sicher, würde er schon wieder auftauchen. In Gedanken versunken wanderte ich über den Flur, auf der Suche nach Gelegenheiten, mich nützlich zu machen, als ich ein bizarres Paar durch die Eingangstür zur Station den Gang betreten sah: Den hünenhafte Verwaltungsdirektor und neben ihm ein abenteuerlich gekleideter, mit einem mächtigen schwarzen Schnurrbart ausgestatteter kleinwüchsiger Mann, angeregt ins Gespräch vertieft. Anhand des schwarzen Riesenschnäuzers erkannte ich ihn sofort – es war Draco, der Zauberer aus Budapest, dessen Bild ich gerade erst vor einer guten Stunde in der Zeitung gesehen hatte. Als der Verwaltungsdirektor mich sah, blieb er stehen und sagte: "Ach, junger Mann, kommen Sie doch mal eben zu uns. Wir sprachen gerade über Sie! Sie kennen sich doch mit diesem blauen Bademantel ein wenig aus, oder?"

Nachdem wir uns miteinander bekannt gemacht hatten, kam der berühmte Mann aus Budapest sogleich zur Sache: "Wie ich höre, haben Sie meinen blauen Zauberbademantel, der mir vor einiger Zeit abhanden gekommen ist. Ich möchte Sie bitten, mir mein Eigentum wieder auszuhändigen." Ratlos blickte ich den Verwaltungsdirektor an. Der nickte bestätigend: "Ist alles in Ordnung. Aufgrund der genauen Beschreibung steht zweifelsfrei fest, dass Herr Draco der Besitzer ist." "Tut mir leid für ihn", sagte ich. Aber das gute Stück ist momentan unauffindbar."

Weiter geht es am 30.05.2008!

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