MediFICTION
Freuen auch Sie sich auf die kuriose Geschichte vom blauen Bademantel!
Folge 10
Wir bekamen gerade mit, wie der Journalist zischte: "Verdammt, Draco, was heißt hier verschwunden? Sie müssen an diesen verdammten Bademantel kommen. Ich brauche das Ding unbedingt für die Story!" "Wie soll das gehen, lieber Freund? Denn leider bin ich nur ein ganz gewöhnlicher Trickbetrüger und kein Zauberer. Den haben Sie für Ihre Geschichte nur aus mir gemacht. Wenn ich einer wäre, hätte ich den Bademantel schon. Und ich muss sagen, dass mir die Sache langsam zu heiß wird: Wenn mich jemand trotz dieses blöden künstlichen Riesenschnauzers unter meiner Nase auf dem Zeitungsfoto erkannt hat, bin ich geliefert! Und hören Sie endlich auf, mich Draco zu nennen! Wer ist überhaupt auf diesen blöden Namen gekommen?" "Meine Tante, das wissen Sie doch." "Was zum Teufel hat eigentlich Ihre Tante mit dem Ganzen zu tun? Ich dachte, sie wäre eine ganz normale Oberschwester?" "Keine Ahnung, sie war es jedenfalls, die mich auf den Fall aufmerksam gemacht hat. Und ich brauch den Mantel, sonst geht die Story baden und die Auflage sinkt wieder!"
Julia und ich sahen uns fassungslos an. "Das reicht, komm", sagte ich, schlüpfte hinter Julia aus der Bank und streckte meinen Kopf um die Ecke zu Draco und dem Journalisten: "Guten Abend, die Herren! Was für eine Überraschung. Dann noch weiterhin viel Spaß mit Ihren Zaubertricks. Aber lassen Sie sich bitte nie wieder bei uns auf der Station sehen, sonst müssten wir nämlich ein paar Dinge klar stellen. Ach, schönen Gruß übrigens an Ihre Tante!"
Der nächste Morgen begann mit einer weiteren Überraschung. Nicht nur, dass Oberschwester Gertrud sich krank gemeldet hatte – der blaue Bademantel war wieder aufgetaucht. Nicht in Julias Wohnung, wo wir ihn zuletzt gesehen hatten, bevor er wie eine Fledermaus zur offenen Balkontür hinaus in den Nachthimmel entflohen war, sondern auf Station. Allerdings hatte er sich dieses Mal das Zimmer einer Patientin ausgesucht, die mit unspezifischen Unterleibsschmerzen auf Zimmer 219 lag. Dieses Mal allerdings hielten wir die Nachricht von der Wiederkehr des blauen Bademantels geheim.
Was die Patientin genau hatte, war unklar. Gründliche Untersuchungen standen noch aus. Der blaue Bademantel jedenfalls hatte es sich auf Zimmer 219 an einem Wandhaken bequem gemacht. Als ich kurz im Zimmer war, fiel mir auf, dass der Bademantel wieder einen herbwürzigen Duft verströmte, sogar ein wenig schärfer als zuvor. Ich fragte die Patientin, ob der Geruch sie störe und ich den Bademantel entfernen solle. Sie schüttelte den Kopf: "Nein, lassen Sie. Die Farbe ist so beruhigend. Sie erinnert mich an einen schönen Sommernachmittag am Comer See. Das ist lange her. Aber wenn Sie das Fenster vielleicht ein wenig öffnen würden?"
Weiter geht es am 13.06.2008!

