Eine Person in einen Bademantel gehüllt auf einem Liegestuhl, im Vordergrund eine Reihe leerer Liegestühle

MediFICTION

Freuen auch Sie sich auf die kuriose Geschichte vom blauen Bademantel!

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Folge 13

Logo MedifictionIch schickte noch am Abend an eine E-Mail an Julia, in der ich ihr von der Unterredung mit meinem Patenonkel berichtete. Außerdem schrieb ich ihr, dass ich sie schon nach einem Tag der Abwesenheit wahnsinnig vermisste. Ihre Antwort kam postwendend – sie forderte mich scherzhaft auf, mir den fliegenden Teppich meines Onkels zu schnappen und sofort zu ihr heimzukehren. Sei vorsichtig, schrieb sie noch.

Am nächsten Tag auf der Rückreise hatte ich das seltsame Gefühl, beobachtet zu werden. Doch so oft ich mich umdrehte, sah ich stets nur Leute, die mit ihren Zeitungen und Magazinen, ihren Handys und Notebooks beschäftigt waren. Es geschah weiter nichts auf der Rückreise. Den blauen Bademantel hatte ich in den Tiefen meines Rucksacks vergraben, und den bewachte ich wie ein Dobermann seinen Futternapf.

Verflucht, das durfte doch nicht wahr sein! Am nächsten Morgen sprang mich im Bus zur Arbeit die Schlagzeile an: "Rätselhafter Bademantel: Geheimnisvolle Mixturen machen Leute wieder gesund!" Ich riss meinem Nebenmann die Zeitung aus der Hand und las weiter: "Aus zuverlässiger Quelle war zu erfahren, dass der mysteriöse blaue Bademantel, der sich im Marienkrankenhaus zu K. befindet, in seinen Taschen individuelle Heilmittelrezepturen mixt. … pflanzliche Bestandteile aus dem Urwald … Wissenschaftler stehen vor einem Rätsel …"

"Dürfte ich um Rückgabe meiner Zeitung bitten, junger Mann?", vernahm ich eine etwas gereizte Stimme neben mir. Ich stammelte eine Entschuldigung, gab meinem Sitznachbarn die Zeitung zurück, beschloss den letzten Kilometer zu laufen und stieg an der nächsten Haltestelle aus. Hatte Julia etwa nicht dicht gehalten?

Vor dem Krankenhaus befanden sich bereits mehrere Übertragungswagen diverser Privatsender. Auf der obersten Stufe des Treppenaufgangs stand ein schwitzender Verwaltungsdirektor, von einer aufgeregten Medienmeute belagert. "Kein Grund zur Beunruhigung", "wissenschaftlich nicht nachweisbar", "wahrscheinlich alles völlig normal" – das waren die Hauptbestandteile seines verbalen Abwehrgefechts.

Völlig normal war hier nun wirklich nichts – das spürte doch jeder. Mit gleicher Berechtigung hätte man versuchen können, die Landung außerirdischer Lebewesen auf dem Rathausdach als völlig normal und im gleichen Atemzug als wissenschaftlich nicht nachweisbar bezeichnen können. Entsprechend unzufrieden waren auch die Medienvertreter mit dem Statement des hilflosen Verwaltungsdirektors. Doch alles Murren half nichts, sie mussten wie so oft in ihrem Leben aus einer reinen Nullinformation einen mindestens dreiminütigen Sendebeitrag machen. Ich legte keinen Wert darauf, ihnen dabei zu helfen und nahm einen Seiteneingang.

Weiter geht es am 04.07.2008!

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