MediFICTION
Freuen auch Sie sich auf die kuriose Geschichte vom blauen Bademantel!
Folge 14
Den Kameraleuten glücklich entkommen, fragte ich Julia, ob sie etwas mit dem Medienauflauf zu tun hätte. Doch ihr ratloser Gesichtsausdruck zeigte mir, dass mein Verdacht unbegründet war. Dann fiel mir wieder ein, dass ich gestern auf der Rückreise das Gefühl gehabt hatte, beobachtet zu werden. Doch das half mir auch nicht weiter – es war geschehen und ließ sich nicht mehr aus der Welt schaffen. Nun mussten wir aufpassen, dass niemand sich des blauen Bademantels bemächtigte.
Denn klar war, dass seine plötzliche Prominenz früher oder später Menschen und Mächte auf den Plan rufen würde, denen ganz andere Ziele vorschwebten als Oberschwester Gertrud, die sich mit Hilfe eines herbei gezauberten vorgeblichen Besitzers des Bademantels nur entledigen wollte, um das Chaos von ihrer Station zu verbannen. Ich fragte Julia deshalb, ob wir den blauen Bademantel nicht vorsorglich in Sicherheit bringen sollten. "Gute Idee. Aber wo und wie? Er sollte schon irgendwo hier im Krankenhaus bleiben. Hier gehört er hin. Bei mir zu Hause hat er es ja ohnehin nicht lange ausgehalten." "Dann ist die Frage: Wo würde niemand ihn suchen?" "Falsch, die Frage lautet anders: Wann würde niemand ihn finden können?" "Du meinst, wenn er anders aussähe?" "Genau – alle Welt sucht einen blauen Bademantel. Aber wir werden ihn bleichen und dann im Wäscheschrank verschwinden lassen" "Aber wenn er dann seine Heilkraft verliert?" "Wird er schon nicht – da bin ich ganz sicher."
Ich zweifelte noch, bemerkte aber voller Unruhe, wie sich dem Stationseingang zwei elegant gekleidete Herren mit Aktenköfferchen näherten. "Gut", sagte ich und öffnete meinen Rucksack, "hier ist der Bademantel, versuch es. Ich glaube, da kommen schon die ersten ernsthaften Interessenten." Wir machten, dass wir weg kamen – Julia, um den blauen Bademantel zu entfärben. Und ich, um mit der Arbeit zu beginnen. Hinter mir auf dem Gang hörte ich die beiden Herren näher kommen. Sie sprachen nicht miteinander, doch schienen sie genau zu wissen, wohin sie wollten. Vor der Tür zu Oberschwester Gertruds Dienstzimmer blieben sie stehen, klopften an, öffneten die Tür und betraten den Raum. Die Tür schloss sich sofort. Hatte Oberschwester Gertrud einen neuen Plan ausgeheckt? Ich schlich mich an und presste mein rechtes Ohr an die Tür zum Oberschwesterndienstzimmer.
Wie sich herausstellte, waren die beiden Herren die handlungsbevollmächtigten Abgesandten eines bekannten pharmazeutischen Unternehmens, ebenfalls ansässig in K. Sie boten eine beträchtliche Summe für den Bademantel. Sie gaben vor, ihn zum Wohle der Forschung einer gründlichen Analyse mit hochmodernen Geräten unterziehen zu wollen. Man erhoffte sich Hinweise auf völlig neue Behandlungskonzepte.
Weiter geht es am 11.07.2008!

