MediFICTION
Freuen auch Sie sich auf die kuriose Geschichte vom blauen Bademantel!
Folge 15
Die Klinikleitung stand dem Ansinnen des pharmazeutischen Unternehmens durchaus positiv gegenüber, denn die gebotene Summe hätte das Krankenhaus für diverse sinnvolle Anschaffungen sehr gut gebrauchen können. Oberschwester Gertrud hatte denn auch keinen weiteren Plan ausgeheckt – zu ihr hatte die Klinikdirektion die beiden Herren nur geschickt, um den Bademantel abzuholen. Sie hätte also glücklich sein können, den blauen Bademantel nun loszuwerden – hätte sie ihn denn gehabt. Denn leider hatte sie ihn weder in Gewahrsam noch eine Ahnung bezüglich seines gegenwärtigen Aufenthaltsortes.
Als die Tür sich wieder öffnete, gelang es mir gerade noch rechtzeitig mich zu entfernen. Ich suchte sofort nach Julia – und fand sie schließlich wie leblos in einer dunklen Ecke des Ganges liegen. Zum Glück atmete sie und kam, kaum dass ich mich zu ihr hinabgebeugt und ihren Kopf vorsichtig zur Seite gewendet hatte, auch wieder zu sich. "Was ist passiert?", fragte sie. "Jemand muss dich niedergeschlagen haben. Jedenfalls hast du da oben eine ziemlich dicke Beule." "Der Bademantel – wo ist er?" "Hier ist er jedenfalls nicht – wenn du ihn bei dir hattest, als du niedergeschlagen wurdest, hat ihn nun jemand anders." Aber wer? Die beiden Leute aus dem Pharmaunternehmen konnten es nicht gewesen sein, Oberschwester Gertrud auch nicht. Schließlich hatte ich sie zum fraglichen Zeitpunkt belauscht.
Auf einmal bekam ich mit, wie unten auf dem Parkplatz ein Tumult ausbrach. Ich lief zum offenen Fenster und sah, wie beide Herren im Anzug einem anderen Mann hinterherliefen, der mit dem blauen Bademantel unter dem Arm quer über den Parkplatz flüchtete und offensichtlich zur Rückseite des Krankenhauses gelangen wollte: "Haltet ihn! Haltet den Dieb!" Leider war der Parkplatz menschenleer, sodass niemand den Flüchtenden aufhalten konnte. Ich sprang auf, riss die Tür zur Nottreppe auf, hechtete die Treppe runter und stürzte durch den Notausgang auf der Gebäuderückseite ins Freie – der Dieb war nur einen Meter vor mir, hatte aber seinen Vorsprung gegenüber den beiden anderen Verfolgern deutlich ausgebaut. Ich sprang ihn an, warf ihn um, schnappte mir den Bademantel und setzte die Flucht rund ums Haus fort, um zurück zum Haupteingang zu gelangen. Ich erreichte ihn in genau dem Augenblick, als die beiden Herren – aus der Gegenrichtung kommend – nach vergeblicher Verfolgungsjagd schwer atmend ebenfalls dort ankamen.
"Ah, das ist er ja! Gratuliere, junger Mann! Wären Sie nun wohl so nett, uns unser Eigentum auszuhändigen?" Der jüngere der beiden streckte mir fordernd seinen Arm entgegen. "Tut mir leid, ich glaube das geht nicht. Denn wie ich hörte, sind die Eigentumsverhältnisse keineswegs geklärt – die Klinik darf nicht etwas verkaufen, was ihr gar nicht gehört." Die beiden sahen sich verunsichert an: "Nicht gehört? Aber die Direktion hat uns versichert, dass die Klinik Eigentümerin dieses Bademantels ist. Das steht auch so im Kaufvertrag." "Dann irrt die Klinikleitung. Ich weiß, wem der blaue Bademantel wirklich gehört." "Und wären Sie auch so freundlich, uns den Namen dieses angeblichen Eigentümers zu nennen?" "Gern – aber nicht jetzt. Ich muss ihn erst zurückbringen." Ich schlüpfte zwischen den beiden hindurch und überlegte fieberhaft, wen ich als wahren Eigentümer des blauen Bademantels angeben konnte. Ich musste Zeit gewinnen – Zeit, um zu überlegen, was zu tun sei. Denn wenn der blaue Bademantel wirklich etwas Besonderes war, durfte man ihn auf keinen Fall jemandem überlassen, der nur ein schnelles Geschäft im Sinn hatte.
Weiter geht es am 18.07.2008!

