Eine Person in einen Bademantel gehüllt auf einem Liegestuhl, im Vordergrund eine Reihe leerer Liegestühle

MediFICTION

Freuen auch Sie sich auf die kuriose Geschichte vom blauen Bademantel!

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Folge 16

Logo Medifiction"Es hat sich leider herausgestellt, dass der blaue Bademantel doch nicht das Eigentum der Klinik ist. Der Verwaltungsdirektor warf mir einen misstrauischen Seitenblick zu und kehrte bedauernd die Handflächen nach außen. "Wir haben Hinweise bekommen, denen zufolge der blaue Bademantel vor einigen Wochen von einer Patientin hier vergessen wurde. Und diese Patientin hat sich nun gemeldet." Die beiden Herren, die ihn hatten kaufen wollen, sahen sich ratlos an. "Das ist uns neu. Aber wäre es möglich, dass Sie uns Namen und Anschrift der Patientin nennen? Vielleicht möchte sie ihn an uns verkaufen?" "Das kann ich leider nicht machen, bedaure sehr. Datenschutz, Sie verstehen sicherlich. Und bis die Eigentümerin sich bei mir meldet, verbleibt der Bademantel in meiner Obhut." Erleichtert verließ ich noch vor den beiden enttäuschten Herren den Raum – meine kleine Geschichte hatte fürs erste funktioniert. Zwar würde schon bald herauskommen, dass die Patientin, die zur fraglichen Zeit hier auf der Station gelegen hatte, mitnichten irgendwelche Eigentumsansprüche geltend machen würde. Denn sie wusste nicht einmal, dass sie auf der Station angerufen hatte, um nach dem Bademantel zu fragen.

Doch auf jeden Fall hatte ich Zeit gewonnen. "Du hättest sie gleich darum bitten lassen sollen, ihr den Bademantel zuzuschicken – natürlich an eine andere Adresse." Julia war unzufrieden mit dem Ergebnis meiner Intervention. Wir hatten zwar Zeit gewonnen, nicht aber die Schlacht. Julia hatte mitbekommen, dass die beiden Herren aus der Industrie sich keineswegs geschlagen gaben, sondern systematisch das Stationspersonal und sogar Patientinnen auszufragen begannen. Offensichtlich witterten sie, dass an der Geschichte etwas faul war. Julia war zu Ohren gekommen, dass einigen ihrer Kolleginnen sogar Prämien angeboten worden waren, wenn es ihnen gelänge, entweder den blauen Bademantel an sich zu bringen oder die Geschichte von der angeblichen Eigentümerin zu widerlegen. Doch entweder waren die angebotenen Bestechungssummen nicht großzügig genug bemessen gewesen oder unser Personal war grundehrlich.

Nachdem die beiden Herren aus der pharmazeutischen Industrie einsehen mussten, dass sie so nicht weiterkamen, hatten sie beschlossen, das Feld zu räumen. So sah es jedenfalls aus. Tatsächlich jedoch lief das Ganze nun auf einer anderen Ebene ab – sie schalteten einen Anwalt ein, der im Namen seines Mandanten auf Herausgabe des blauen Bademantels klagte. Der Mandant war nun nicht etwa das pharmazeutische Unternehmen, sondern ein mir unbekannter Mann, der behauptete, dass der Bademantel ihm gehöre. Neben einer eidesstattlichen Erklärung legte er als Beweismittel ein Foto vor, das ihn in einem blauen Bademantel zeigte. Gewiss, der blaue Bademantel sah genauso aus. Aber das war auch kein Wunder, denn das Äußere unseres blauen Bademantels war ja wirklich völlig normal und unauffällig.

Weiter geht es am 25.07.2008!

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