Eine Person in einen Bademantel gehüllt auf einem Liegestuhl, im Vordergrund eine Reihe leerer Liegestühle

MediFICTION

Freuen auch Sie sich auf die kuriose Geschichte vom blauen Bademantel!

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Folge 17

Logo MedifictionWährend ich mit einem Rollcontainer frischer Bettwäsche den Lastenaufzug verließ, bemerkte ich die Unruhe auf der Station. Hier und da hatten sich kleine Gruppen von Menschen gebildet, die miteinander sprachen – Schwestern, Pfleger, Ärzte, Patientinnen und Besucher. Auch neuere Patientinnen waren bald im Bilde über die Vorgänge während der letzten Wochen. Während ich mich mit meinen Rollcontainer langsam über den Gang fortbewegte, kam ich an mehreren dieser Grüppchen vorbei.

Alle Gespräche hatten nur ein Thema: Wenn, ja, wenn dieser seltsame blaue Bademantel wirklich Zauberkräfte hatte – wem gehörte er dann? Zumal sich doch ziemlich rasch herausgestellt hatte, dass die von mir angegebene Besitzerin tatsächlich nur vorgeschoben war und sich ein – jedoch kaum glaubwürdigerer – neuer Besitzer ins Spiel gebracht hatte.

Der Tenor der verschiedenen Diskussionen schien eindeutig zu sein: Der blaue Bademantel gehörte wie ein Weltkulturerbe allen und niemandem. Uneins war man sich indessen, wer den blauen Bademantel in seine Obhut zu nehmen hatte. Das Krankenhaus? Eine wohltätige Vereinigung oder doch besser eine wissenschaftliche Stiftung? Während ich die Wäsche auf die vier Depots der Station verteilte, lauschte ich mit halbem Ohr der Nachrichtensendung eines Radiosenders – heute früh hatte sich auch der Nationale Ethikrat zu einer Sitzung zusammengefunden, um über den blauen Bademantel zu diskutieren. Allerdings schien es dort mehr um die Frage zu gehen, ob es statthaft sei, Patienten durch einen derartigen Hokuspokus zu verunsichern und eventuell von ernsthafter Therapie abzuhalten.

Während ich noch versuchte, meinen eigenen Gedanken zu diesem Thema zu ordnen, kam Julia auf mich zu: "Schon gehört? Der angebliche Besitzer verklagt das Krankenhaus auf Herausgabe des blauen Bademantels, sein Anwalt hat eine Frist von 12 Stunden zur Herausgabe gesetzt. Wenn der damit durchkommt, hat das Pharmaunternehmen viel Geld gespart und dem Krankenhaus ist viel Geld entgangen." Ich dachte nach – sollte man den durch den Überfall auf Julia unglücklich vereitelten Umfärbeversuch wiederholen? Gesucht wurde ein blauer Bademantel – wir aber hätten nach dem Umfärben nur einen grauen. Aber leider war der blaue Bademantel im Büro des Verwaltungsdirektors eingeschlossen. Da war unmöglich an ihn heranzukommen.

Ein dumpfes Vibrieren in meiner Hosentasche kündigte das Eintreffen einer SMS an. Trotz des allgegenwärtigen Handyverbots auf der Station zog ich es hervor und las die eingetroffene Nachricht. Sie war von meinem Onkel Heinrich, dem weit gereisten Ethnobotaniker, der sich mit den seltsamsten heilkräftigen Pflanzen aus aller Welt auskannte: "Hab Viktor erreicht – es wird spannend. Er ist auf dem Weg zu dir. Viele Grüße H." Donnerwetter – ich staunte. Wenn ein russischer Wissenschaftler Tausende von Kilometern zurückzulegen bereit war, um sich einen Bademantel anzusehen, musste ziemlich viel dahinter stecken.

Weiter geht es am 01.08.2008!

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