Eine Person in einen Bademantel gehüllt auf einem Liegestuhl, im Vordergrund eine Reihe leerer Liegestühle

MediFICTION

Freuen auch Sie sich auf die kuriose Geschichte vom blauen Bademantel!

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Folge 20

Logo MedifictionIch folgte Julia ins Gebäudeinnere, in dem fahlgrünes Licht gerade für so viel Helligkeit sorgte, dass man sich orientieren konnte – hier hatte man seltsamerweise an Überwachungskameras gespart. Oder waren die Dinger in so einem High-Tech-Bereich einfach nur viel kleiner und unsichtbarer? Mir war immer noch unheimlich. Würden sich gleich bewaffnete Sicherheitsleute in Windeseile von der Decke herabhangeln? Ich schaute nach oben, konnte aber nichts entdecken. "Mir nach!" ich bewunderte Julias Energie und ihren Mut – und folgte ihr durch die Laborräume. Die Türen zu den meisten der kleineren Räume waren zwar verschlossen, doch konnte man durch Sichtfenster hindurchspähen und erkennen, ob der blaue Bademantel dort ausgebreitet lag.

Plötzlich hörten wir ein Geräusch – in einer der eisernen Türen drehte sich ein Schlüssel. Hoffentlich hatte da nicht jemand sein Versehen bemerkt und die bis dahin offene Tür einfach abgeschlossen. Dann säßen wir in der Falle und kämen nicht mehr heraus. Doch offenbar hatte jemand eine der anderen, zuvor verschlossenen Eingangstüren geöffnet und machte sich nun auf einen Rundgang durch das ganze Gebäude. Julia und ich sahen uns entsetzt an: Nur noch zwei oder drei Minuten und man würde uns schnappen. "Nun komm schon!", zischte Julia. Während mir noch vor Angst die Knie schlotterten, hatte sie sich bereits bis unter den hintersten Rand eines großen, mit Gläsern und Behältern bedeckten Labortisches verkrochen. Ich sah zu, dass ich meine Gelenke wieder bewegen konnte, quetschte mich zu ihr in ihr Versteck und versuchte mich so klein zu machen wie möglich. Mist – wenn der Wachmann einen Hund dabei hatte, würde der uns auch hinter einer verschlossenen Tür wittern. Langsam näherten sich die Schritte – vor unserem Versteck hielten sie inne. Massive, schwarze Stiefel drehten sich in unsere Richtung. Gleich würde sich der Wächter zu uns herabbeugen und - - - Doch dazu kam es nicht. Ich hörte, wie über uns auf dem Tisch Glasbehälter bewegt, Deckel abgeschraubt und wieder aufgeschraubt wurden – und sich die Schritte dann mit einer Halbwendung der schweren Stiefel wieder entfernten. Kaum war der Wachmann verschwunden, wanden wir uns aus unserem Versteck hervor. Offensichtlich ein Dieb in der Nacht – ganz wie wir selbst. Doch im Unterschied zu uns wusste dieser Dieb ganz genau, wo er suchen musste, um ein paar Bestandteile für seinen persönlichen Drogencocktail zusammenzusuchen. Denn genau das hatte er offenbar getan, wir mir ein nachträglicher Blick auf die Etiketten zeigte. Nachdem wir sicher waren, dass er das Gebäude wieder verlassen hatte, setzten wir unseren Rundgang fort.

Doch so gründlich wir auch suchten – in keinem der Labore entdeckten wir Hinweise auf den blauen Bademantel. Hielt man ihn für dermaßen wertvoll, dass er des Nachts in einen Tresor geschlossen wurde? Wir blickten uns ratlos an. Doch ohne Ergebnis. Fast am Ende unseres Rundgangs stieg mir dann ein vertrauter Geruch in die Nase – der blaue Bademantel musste also doch ganz in der Nähe sein! Wir konzentrierten uns nun auf die angrenzenden kleinen Nebenräume, bei denen es sich seltsamerweise nicht um Laborräume handelte, sondern um – Abstellkammern, in denen das Reinigungsteam seine Arbeitsutensilien aufbewahrte. Außerdem wurden hier Abfallcontainer gestapelt bis zur nächsten Fahrt zu einem sicheren Verbrennungsofen. Der Geruch kam immer näher. "Schau mal auf den Boden!" Julias Stimme war tonlos. Ich tat es – und entdeckte lauter kleine Fusseln und Stoffreste. Der Geruch war nun sehr präsent.

Weiter geht es am 22.08.2008!

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