Eine Person in einen Bademantel gehüllt auf einem Liegestuhl, im Vordergrund eine Reihe leerer Liegestühle

MediFICTION

Freuen auch Sie sich auf die kuriose Geschichte vom blauen Bademantel!

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Folge 24

Logo Medifiction"Der Geist nahm sich ein großes Stück von dem immer noch zähflüssigen Wasser, knetete es ein wenig, rollte es aus, klopfte es ordentlich, knete es wieder, rollte und klopfte es erneut – ganz wie man es heute mit Plätzchenteig macht, wenn man aus einer Teigkugel eine möglichst große Fläche zum Ausstechen gewinnen möchte. Bald hatte er eine Art Umhang für sich aus der Wasserknetmasse gemacht. Dieser Umhang war natürlich blau, denn das war ja die Farbe, die der Geist dem Wasser gegeben hatte. Der Umhang war groß und gemütlich und hatte zwei große, tiefe Taschen für die Hände, sodass der schöpferische Geist sich gleich richtig unternehmungslustig fühlte und sich zu bewegen begann. Dabei probierte er verschiedene Schritte und Bewegungen aus: mal hüpfte er, mal sprang er auf und nieder, mal sauste er, mal legte er sich und rollte einen grünen Hügel hinab.

Während er mal wieder etwas schneller lief und dahinsauste, merkte er, wie sich etwas neben und mit ihm bewegte. Und je schneller er sich bewegte, desto schneller bewegte sich auch dieses Etwas. Doch sehen konnte man es nicht, nur spüren. Was er spürte, war aber sehr angenehm und fühlte sich gut an. Auf diese Weise kam der Wind in die Welt. Und nun, dachte der Geist, wird es Zeit, dass wir diese große weite Welt mit Leben füllen. Doch wie sollte das aussehen? Doch je nachdem, wie der Geist sich fortbewegte, entstanden verschiedene Wesen: Blieb er stehen und reckte seine beiden Arme gen Himmel, wuchs ein Baum aus den tiefen Taschen seines Umhangs. Lief er schnell weiter und wechselte er beim Laufen die Richtung, sprang ein Hase hervor. Tauchte er ins Wasser, das sich mit dem Wind nun auch etwas schneller zu bewegen begann, um sich zu erfrischen, hüpften gleich ein paar Fische aus seinen tiefen Taschen und verschwanden im Wasser. So erfüllte sich die Welt mit Leben.

Als es Abend wurde und Zeit für das dunkle, violette Licht, war die Welt schon ziemlich lebendig geworden: Überall wimmelte es von Wesen, wobei man erst sehr viel später die beweglichen dieser Wesen als Tiere und die unbeweglichen als Pflanzen bezeichnete. Am nächsten Morgen freute sich der Geist über all das, was er erschaffen hatte. Doch immer noch fühlte er sich etwas einsam. All diese Pflanzen und Tiere und bunte Lichter waren zwar nett anzusehen, doch konnte er sich mit ihnen nicht unterhalten. Denn in ihnen war zwar sein Leben, aber nichts von seinem kristallklaren Geist. Also schuf der Geist den Menschen. Aber dabei unterlief ihm ein Fehler: Er dachte sich den Menschen zwar als geistige Wesen, doch er erschuf sie, damit auch sie beweglich seien, mit einem Körper. Dieser Körper konnte nichts richtig: Weder richtig rennen wie der Hase noch richtig schwimmen wie der Fisch – alles nur ein bisschen und nichts wirklich gut. Und noch etwas stimmte nicht: Weil der Geist bei der Erschaffung des Menschen so wenig Sorgfalt auf dessen äußere Form gelegt hatte, waren die Menschen hinfällig. Sie wurden rasch krank, manche starben sogar. Das tat dem Geist leid. Aber er konnte nichts daran ändern, da er sie nun einmal so geschaffen hatte, wie sie waren. Also dachte er nach und kam bald zu dem Schluss, dass er etwas schaffen müsste, um die kranken Menschen wieder gesund zu machen. Während seines intensiven Nachsinnens wuchsen aus den Taschen seines Umhangs allerlei Kräuter und sonstige Dinge hervor, die sich alsbald als geeignet erwiesen, um kranke Menschen wieder gesund werden zu lassen."

"Du meinst also, dass der blaue Bademantel dem Geist gehört, der die Welt geschaffen hat?", fragte ich ungläubig. Viktor lächelte mich freundlich an durch seine grünen Brillengläser. "Ganz so einfach ist es nun auch wieder nicht."

Weiter geht es am 19.09.2008!

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