Eine Person in einen Bademantel gehüllt auf einem Liegestuhl, im Vordergrund eine Reihe leerer Liegestühle

MediFICTION

Freuen auch Sie sich auf die kuriose Geschichte vom blauen Bademantel!

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Folge 26

Logo Medifiction"Tja", fuhr Viktor fort, "und dann begannen die Dinge kurzfristig zu entgleisen. Es wurden Kräfte auf den Plan gerufen, die eindeutig finstere Absichten hatten. Aber auch das ist ganz normal – diese Neigung zu finsteren Absichten ist einer jener Schönheitsfehler, die der Geist damals versehentlich in uns Menschen eingebaut hat. Wahrscheinlich war er zu sehr in Eile. Doch wirklichen Schaden konnten sie ja nicht anrichten. Der blaue Bademantel war unwichtig. Wichtig war die Wirkung auf die Menschen. Und außerdem haben wir ja nun Emil." Er zog die Ratte unterm Bart hervor und sah ihr prüfend in die blauen Augen.

Viktor reichte Emil an Julia weiter, bei der er sich auch wohl zu fühlen schien, und stand auf: "Dass diese besonders schöne Ratte blaue Augen hat, ist ein Spiel der Gene. Ganz sicher ist es nicht darauf zurückzuführen, dass Emil vor lauter Hunger Fasern des blauen Bademantels gefressen hat. Doch ich denke, dass Emil eine ähnlich gute Wirkung auf seine Umgebung haben wird wie zuvor der blaue Bademantel. Ihr solltet ihn mit auf eure Station nehmen. Und nun muss ich mich verabschieden. Wenn ich schon mal hier bin, werde ich noch meinen alten Freund und Kollegen Heinrich aufsuchen. Er wird sich über die Fortsetzung der alten Geschichte sicher sehr freuen."

Nun waren Julia und ich allein – sieht man einmal von Emil ab, der mit wachen, intelligenten Augen von einem zum anderen sah. Eigentlich hätte ich sauer auf Julia sein müssen. Immerhin hatte sie mich wochenlang hinters Licht geführt, mich auf Trab gehalten, zu ungesetzlichen Handlungen animiert – und war selber Opfer ihrer eigenen Illusionistenkünste geworden, als man sie hinterrücks überfallen hatte. Doch nein, sauer war ich nicht. Ich schloss sie in die Arme – wobei ich sorgfältig darauf achtete, Emil nicht zu zerquetschen – und sah ihr in die Augen. Nein, keine Illusion. Das war echte, große, wahre Liebe.

Und so ging diese Episode nun ihrem Ende entgegen. Mein Zivildienst war beendet, Julia arbeitete weiter auf Station. Gemeinsam unternahmen wir jedoch im Sommer eine vierwöchige Reise ins ferne Altaigebirge. Emil fand auf der Station eine neue Heimat und wurde rasch zum Liebling aller. Ein Blick in seine tiefgründigen blauen Augen ließ niemanden unberührt.

Sogar Oberschwester Gertrud war wie ausgewechselt. Da war nichts mehr vom herrschsüchtigen Stationsdrachen früherer Tage. Sie hatte eine tiefe Neigung zu Emil gefasst, sorgte gemeinsam mit Julia für sein Wohlergehen und ermunterte ohne Sorge um die Ordnung auf der Station ihre Patientinnen sogar, Emil auf den Arm zu nehmen und ihn zu streicheln. Emil wiederum schien die Aufmerksamkeit zu genießen. Erst als eines Tages mit freundlichen Grüßen von Viktor eine ebenfalls blauäugige Rättin eintraf, die Dorothea genannt wurde, wandte er sich artgerechteren Tätigkeiten zu. Doch nie hörte er ganz auf, seinen Menschen ein Freund zu sein. Schließlich steht blau ja auch für Treue.

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