Abnehmen ist kinderleicht. Doch wie können Sie Ihrem Kind helfen, das Gewicht zu halten?
Bereits in der letzten Ausgabe unseres Kundenmagazins „Informiert“ haben wir uns mit der Volkskrankheit Übergewicht befasst. Dieses Mal geht es speziell um übergewichtige Kinder und Jugendliche. Gerade hier ist es sehr wichtig, rechtzeitig einzugreifen, da aus übergewichtigen Heranwachsenden nur allzu oft dicke Erwachsene werden. Deshalb: Helfen Sie Ihrem Kind beim Abnehmen. Und unterstützen Sie Ihr Kind vor allem auch nach dem Abnehmerfolg darin, das Gewicht langfristig zu halten. Doch was ist dabei zu beachten? Welche Faktoren entscheiden über Erfolg oder Misserfolg einer Abnehmmaßnahme?
Falsch machen kann man jedenfalls eine ganze Menge. Beispiel Österreich. Auch dort gibt es viele übergewichtige Kinder. Das allein wäre keine Meldung wert, wenn nicht das österreichische Gesundheitsministerium eine ganz besondere Strategie entwickelt hätte, um dem Übergewicht der Jüngsten zu Leibe zu rücken. Seit Anfang April reist ein ungewöhnlicher Pädagoge durch die Kindergärten, der von den Kleinen begeistert begrüßt wird - und bei den Eltern berechtigterweise Empörung auslöst. Die Rede ist von Ronald McDonald, dem Clown des Fastfood-Riesen. Nach Aussage des Unternehmens geht es bei dem Programm „Gesund und Fit - Komm mach mit! Beweg Dich viel heißt unser Ziel“ darum, Kinder auf spielerische Weise zu körperlicher Aktivität und Bewegung zu motivieren. Die Ernährung sei nicht das Thema, heißt es in einer Stellungnahme von McDonald’s Österreich. Trotzdem fragen sich die besorgten Eltern - und inzwischen auch einige österreichische Medien und Politiker - was in den Köpfen der Kindergartenkinder hängen bleibt. Und das ist bestimmt nicht ein kritischer Umgang mit Fast-Food-Produkten, sondern vielmehr: McDonald’s ist cool und lustig. Das, worauf es beim Abnehmen am allermeisten ankommt, fehlt hier komplett: Die Nachhaltigkeit, die Einbindung der Familie, die langfristige Perspektive, die Ernährungsumstellung. In Deutschland ist zwar derzeit kein Clown auf Tour, um dem Übergewicht den Kampf anzusagen, doch gibt es auch hier mittlerweile mehr als 400 Therapieangebote. Wie gut oder schlecht die sind, lässt sich pauschal nicht sagen. Ernährungsexperten zufolge zeichnet sich ein gutes Programm aber durch eine Kombination aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie aus. Vor allem sollte es langfristig angelegt sein, von einem Arzt begleitet werden und die Eltern einbeziehen. Die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) hat einige Therapieangebote in einer Studie aus dem Jahr 2003 erfasst und die jeweiligen Behandlungsmethoden aufgelistet. Außerdem pflegt die AGA auf ihrer Homepage eine Datenbank, die eine Vielzahl von stationären und ambulanten Therapien für adipöse Kinder und Jugendliche enthält.
Das A & O jeder Abnehmstrategie:
Gemeinsam fällt es leichter.
Leichtes bis mittleres Übergewicht lässt sich durch Maßhalten meist relativ leicht in den Griff bekommen. Schwieriger sind die ganzen schweren Fälle. Hier ist ein Erfolg nur über eine langfristige Ernährungsumstellung und oft auch eine begleitende medizinische Betreuung erreichbar. Ein echter Abnehmerfolg lässt sich nicht durch nett gemeinte Kochtipps für Kinder erzielen, sondern funktioniert nur im Rahmen einer gesamtfamiliären Ernährungsumstellung. Wenn Sie auf der Suche sind nach dem richtigen Abnehmprogramm und einer Ernährungsberatung, achten Sie vor allem auf diesen Nachhaltigkeitsfaktor und die Einbindung aller Familienmitglieder. Gleiches gilt natürlich, wenn Sie die Sache selbst in die Hand nehmen wollen. Es bringt nichts, den Nachwuchs auf Schmalkost zu setzen und selber den liebgewonnenen, ungesunden Ernährungsgewohnheiten weiter zu folgen. Denn abgesehen vom dem Frusteffekt, der mit Diätalleingängen verbunden sein kann, sollten Sie auch an die Vorbildfunktion der Eltern und der Familie denken. Abnehmen wird Ihrem Kind viel leichter fallen, wenn auch Sie als Eltern sich daran beteiligen. Und wer weiß: Vielleicht profitieren ja auch Sie, indem Sie ganz nebenbei zu Ihrer persönlichen Traumfigur zurückfinden. Außerdem ist eine gewichtsbewusste Ernährung heutzutage keineswegs mit rigorosem Verzicht aufs Genießen verbunden: Die leichte Küche bietet Gerichte, die gesund sind und lecker schmecken!
Alter beachten!
Was Sie außerdem bedenken sollten: Die angebotene Ernährungsberatung sollte altersgemäß sein. Bei Jugendlichen von fünfzehn Jahren z. B. darf man eher an die Einsicht appellieren als bei Kindern im Vorschulalter. Auch wird bei den Größeren die mittelfristige Perspektive der Gründung eines eigenen Hausstandes bereits in Betracht zu ziehen sein. Die Faktoren „Eigenständigkeit“ und „Auf eigene Faust neue Essregeln entdecken“ sind in dieser Altersgruppe sehr wichtig. Nichtsdestoweniger gilt auch hier, dass niemand mit seinen guten Abnehmvorsätzen am Familienesstisch allein gelassen werden sollte. Und immer gilt: Kurzfristige Maßnahmen bringen allenfalls kurzfristige Erfolge.
Kostenübernahme?
Ernährungsberatung ist eine Leistung der BKK für Heilberufe, die von Ihrem behandelnden Arzt abgerechnet werden kann. In besonderen Fällen können auch Programme zur Gewichtsreduzierung bezuschusst werden, wenn Ihr Arzt die medizinische Notwendigkeit bescheinigt. Vor allem bei Angeboten, die den Nachhaltigkeitsfaktor und die Einbeziehung der Eltern unberücksichtigt lassen und deshalb von eher zweifelhaftem Wert sind, wird es zu ablehnenden Bescheiden kommen. Deshalb setzen Sie sich vor Ihrer Entscheidung für eine konkrete Maßnahme bitte unbedingt mit uns in Verbindung! Gern beraten wir Sie auch über in Frage kommende Möglichkeiten.
Wann ist mein Kind zu dick?
Ob ein Kind zu viel auf die Waage bringt oder nicht, lässt sich nicht so einfach feststellen wie bei einem Erwachsenen. Denn das Wachstum bei Kindern unterteilt sich in eine Füll- und eine Streckphase. In der Füllphase wirken die Kleinen häufig mollig, weil der Körper viel Fett unter der Haut speichert. Doch diese Reserven benötigt er in der folgenden Streckphase. Hier schießen die Kinder in die Länge - und die Pfunde bleiben auf der Strecke. Tun sie das nicht, ist das Kind möglicherweise zu dick. Bei einem Erwachsenen liefert der BMI (Body Mass Index) erste Hinweise auf Übergewicht oder sogar Adipositas. Der BMI berechnet sich aus dem Gewicht (kg) geteilt durch die Größe (m) zum Quadrat. Leider lässt sich diese Rechnung nicht eins zu eins auf den Körper eines Heranwachsenden übertragen. Wenn Sie befürchten, Ihr Kind könnte zu viel wiegen, sprechen Sie deshalb am besten mit Ihrem Kinderarzt.
Weitere Informationen im Internet:
AGA - Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter
www.a-g-a.de
„Kinderleicht“ ist eine Kampagne des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Es lohnt sich, auf der Homepage der Initiative zu stöbern.
www.kinder-leicht.net
Tipps, Links und allerlei Wissenswertes zur Problematik „dicke Kinder“ natürlich auf www.bkk-heilberufe.de im Bereich Gesundheit / Übergewicht bei Kindern
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