Allein mit dem Monster

Allein mit dem Monster

Was Eltern tun können, wenn Kinder Angst haben

Typische Kinderängste kreisen heute nicht primär um das Monster unter dem Bett, sondern beziehen sich auf sehr konkrete reale Ereignisse und Situationen in der Umgebung. Oft sind es familiäre oder soziale Probleme und Konflikte, die massive Ängste auslösen und ihrerseits dann eine geradezu monsterhafte Bedrohung darstellen. Schätzungen gehen davon aus, dass über 20 % aller Kinder und Jugendlichen von Angststörungen betroffen sind. Verschiedene Kliniken im gesamten Bundesgebiet unterhalten heute im Bereich ihrer kinder- und jugendpsychiatrischen Einrichtungen Angstambulanzen.

Formen, Ursachen und Folgen der Angst

Angst hat viele Gesichter und kennt keine Altersgrenzen. Trennungsangst, Sexualangst, Angst vor Tieren, Zukunftsangst, Angst vor Mikroben, Angst vor dem Fliegen, Raumangst oder Angst vor Erkrankungen hat fast jeder schon mal in mehr oder minder starker Form erlebt. Kein Wunder. Denn Angst zählt wie Freude, Trauer oder Lust zu den Grundstimmungen des Daseins. Angst zu haben ist also nichts Ungewöhnliches und sogar nützlich. Denn als ein auf die Zukunft gerichtetes Gefühl schützt Angst vor Gefahren. Zum Problem wird die Angst, wenn sie als unbegründete oder übersteigerte Angst zur Angststörung wird. In manchen Fällen können auch körperliche Erkrankungen oder Schilddrüsenüberfunktion Angstgefühle auslösen, meistens sind es jedoch seelische Ursachen. Wenngleich körperliche Ursachen eher selten auslösende Faktoren sind, zeigt sich Angst fast immer auch in körperlichen Symptomen wie Schweißausbrüchen, Übelkeit, Schlaflosigkeit, erhöhter Herzfrequenz, Atemstörungen, Appetitlosigkeit oder Muskelanspannungen. Zu den seelischen Symptomen zählen Niedergeschlagenheit, Konzentrationsstörungen oder die Neigung zu Grübeleien bei gleichzeitig auftretender Antriebslosigkeit. Vor allem im Kindesalter können Ängste sich auch dadurch bemerkbar machen, dass betroffene Kinder sich immer mehr auf sich selbst und ihre Ängste zurückziehen. Doch gerade das darf eigentlich nicht passieren. Denn werden Kinder mit ihren Ängsten allein gelassen, können Spätfolgen in Form psychischer Störungen noch im Erwachsenenalter auftreten. Eine medizinische Behandlungsbedürftigkeit ist dann gegeben, wenn Ängste Kind und Jugendliche in ihrem Alltagsleben stark beeinträchtigen und Folgeprobleme im familiären, sozialen oder schulischen Bereich drohen.

Zwangsstörungen und Tics

Tics sind unwillkürliche, nichtrhythmische motorische Bewegungen einzelner Muskelgruppen, die sich in schneller Folge wiederholen. Auch wenn Tics nicht zwangsläufig durch Angsterlebnisse ausgelöst werden, können sie doch Ängste hervorrufen. Das gilt insbesondere dann, wenn andere Kinder oder auch Erwachsene sich über die Tics lustig machen oder sich verletzend äußern. Auch Zwangsstörungen können durch Ängste ausgelöst werden und neue Ängste auslösen. Bei Kindern sind das häufig Wasch- und Putzzwänge. Sie gehen zurück auf Angst vor Verschmutzung, Verseuchung oder Vergiftung. Ein Angstkreislauf entsteht, wenn beispielsweise das penible Einhalten des Waschzwangs einmal nicht möglich sein sollte.

Häufig auftretende Ängste im Kindes- und Jugendalter

An erster Stelle der Häufigkeit steht die Angst vor der Trennung von wichtigen Bezugspersonen; solche Trennungsängste sind oft sehr stark ausgeprägt. Sie können die eigene räumliche Entfernung - etwa bei Klassenfahrten - betreffen als auch die Folgen einer Trennung der Eltern zum Gegenstand haben. Bei übermäßigen Ängsten vor Problemsituationen im Familien- oder Freundeskreis kann es zu einer generalisierten Angststörung kommen. In der Häufigkeit folgen soziale Phobien als Ängste vor bestimmten sozialen Begegnungen oder Leistungsanforderungen und einer hieraus resultierenden kritischen Beurteilung durch andere. Hier steht die Angst vor peinlichen Situationen - etwa bei öffentlichem Tadel oder öffentlicher Zurückweisung - im Vordergrund (lesen Sie hierzu bitte auch den Bericht „Hallo Tomate!“ auf den Seiten 20 und 21). Ebenfalls stark vertreten im Kindesalter sind spezifische Phobien, die sich auf konkrete Situationen (Arztbesuch) oder Lebewesen (Hunde, Quallen, Wespen) beziehen. Panikattacken, die wiederum Folge bestimmter Angst auslösender Situationen sind, können weitere Ängste nach sich ziehen: Die Angst vor neuen Panikattacken. Dann spricht man von einer Panikstörung. Die Angst vor einer folgenden, vielleicht als peinlich erlebten Panikattacke findet sich im Zentrum. Werden Ängste zur Belastung für Betroffene und Angehörige und versagen alle Mittel der Selbsthilfe, sollten Eltern sich nicht scheuen, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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