Das Prinzip Zuwendung
Wer gibt, dem wird gegeben
Im heutigen Sprachgebrauch versteht man unter Zuwendung meist die haushaltsrechtliche Zuwendung geldlicher Mittel. Der ursprüngliche Sinn des Wortes aber ist ein tieferer: Wir wenden uns Menschen oder Dingen mit besonderer Hingabe zu, schenken ihnen Aufmerksamkeit. Diese Zuwendung bleibt nicht einseitig, sondern beschenkt auch den, der Zuwendung gibt. Wenden Sie sich einer Sache zu, werden Sie mit der Freude belohnt, die Dinge besser zu verstehen; bei Zuwendung zu anderen Menschen werden Sie dieses aufmerksame, freundliche Interesse meist auch umgekehrt erfahren und als Bereicherung erleben. Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir diesen tieferen Sinn neu entdecken.
Zuwendung lernen
Zuwendung ist eigentlich etwas sehr Einfaches, Elementares. Schon die Blüte, die dem Sonnenlauf folgt, wendet sich zu. Dennoch kann es sein, dass man als Zivilisationswesen das „Prinzip Zuwendung“ erst wieder erlernen muss. Denn im Alltag sind wir umstellt von oberflächlichen und oft unsinnigen Anforderungen, die unsere Aufmerksamkeit einfordern. Für Zuwendung im Sinne echter Hinwendung und Hingabe bleibt da oft weder Raum noch Zeit. Wenn das so ist, müssen wir eben lernen, diesen Raum und diese Zeit wieder zu schaffen. Das aber lohnt sich - denn gelebte Zuwendung macht Ihr Leben schöner!
Lassen Sie sich nicht länger unter Zeitdruck setzen
Zeitdruck ist der ärgste Feind jeder Zuwendung. Gewiss, ohne ein gewisses Maß an Pünktlichkeit kommt man nicht durch den Alltag. Doch vor allem im Privatbereich kann man der Herrschaft der Uhr Grenzen setzen. Zum Beispiel lässt sich darüber nachdenken, ob es wirklich sinnvoll ist, sich den Ablauf eines Abends durch das Fernsehprogramm diktieren zu lassen. Versuchen Sie öfter mal, ohne Uhr zu leben. So schaffen Sie zeitlichen Freiraum als Voraussetzung praktizierter Zuwendung.
Halten Sie Ausschau nach neuen Interessengebieten
Zuwendung ist nicht willkürlich – wer sich einer Sache zuwendet, sollte mit ganzem Herzen dabei sein. Deshalb ist es besser, bei der Auswahl eines Interessengebietes der inneren Stimme zu folgen als irgendwelchen Modetrends. Etwas, wovon Sie schon immer fasziniert waren, wird Ihnen meist mehr Freude bereiten, als das, wovon momentan alle fasziniert sind.
Zuwendung darf nicht aufdringlich werden
Viele Menschen – und keineswegs nur solche, die in sozialer Isolation leben – freuen sich, wenn sich ihnen jemand zuwendet, sich jemand für sie zu interessieren beginnt. Doch aufgepasst: Wer es mit der Zuwendung übertreibt und beispielsweise jeden Tag bei einem neuen Nachbarn auf der Matte steht, wird eher zur Horrorvision als zu einem gern gesehenen Gast. Zuwendung zu anderen Menschen sollte gerade zu Beginn zwar immer aufmerksam, aber stets auch diskret und von einer gewissen Distanz begleitet sein.
Üben Sie, Geduld zu haben
Ob Sie sich einem Menschen zuwenden oder ein neues Interessengebiet erschließen möchten: Erzwingen lässt sich nichts. Lassen Sie es ruhig angehen. Die Schaffung eines Zeitfreiraums bildet die Voraussetzung dafür, dass Zuwendung sich ereignen kann. Manchmal kommt es einfach nur auf die Gunst der Stunde an – oder die Inspiration, die sich im rechten Moment einstellt. Mit Geduld läuft es dann von ganz allein.
Befreien Sie sich von Vorurteilen
Sich einer Sache oder einem Menschen zuwenden bedeutet: sich voll und ganz auf eine Person oder ein Ding einzulassen und alles so zu nehmen, wie es ist – und nicht so umzubiegen, dass es den eigenen Vorstellungen über die Person oder die Sache entspricht, also einem zuvor gefassten Urteil. Wer ständig mit solchen Vorurteilen an Sachen und Menschen herangeht, tut sich selbst keinen Gefallen. Zum einen entgeht einem eine ganze Menge. Zum anderen ist es frustrierend, ständig enttäuscht zu werden, nur weil die Welt eben doch ganz anders ist, als man sie sich denkt.

