Denken kann heilen.

Holzbank vor Sonnenaufgang

Kein Trendthema, sondern ein hochseriöses Angebot: Die Philosophische Praxis hilft in vielen Lebenslagen. Deshalb gehen immer mehr Menschen heute zum Philosophen. Jawohl, Sie haben richtig gelesen: Zum Philosophen. Nicht zum Psychologen, nicht zum Pfarrer und auch nicht zum Psychiater. Sondern eben zum Philosophen. Konkreter: In eine Philosophische Praxis.

Die Vertrauensfrage führt zu neuen Konzepten.

Was sich seit einigen Jahren in den USA als neuer und sehr gefragter Trend abzeichnet und auch hierzulande Fuß zu fassen beginnt, stellt in vielen Fällen eine echte Alternative zu den herkömmlichen Beratungsangeboten in Fragen seelischer und geistiger Gesundheit dar. Die gewohnten Beratungsformen haben gewiss nach wie vor ihre Berechtigung, doch können sie auf bestimmte Fragen oft einfach keine Antwort geben. Oder anders gesagt: Die Antworten, die gegeben werden, helfen dort nicht mehr weiter, wo Menschen das Vertrauen in Institutionen wie Kirche, Medizin, Wissenschaft und Psychologie schlichtweg verloren haben und auf Distanz gegangen sind.

Vor diesem Hintergrund wurde in Deutschland das Konzept der Philosophischen Praxis Anfang der 80er Jahre von Dr. Gerd B. Achenbach begründet. Eine Art Dachverband praktisch arbeitender Philosophen firmiert seither unter dem Namen Internationale Gesellschaft für Philosophische Praxis (www.igpp.org). Dr. phil. Andreas Mussenbrock, der in Münster die Hentopan Philosophische Praxis betreibt, erläutert die tiefgehende Differenz zwischen Philosophie auf der einen und Psychologie bzw. Psychiatrie auf der anderen Seite: „Die Philosophie als Beratungsangebot ermuntert den Menschen konsequent zu einer radikalen Hinwendung auf sich selbst. Was Psychiatrie, Psychologie und Theologie anbieten, ist aus Sicht des Philosophen ein Fluchtversuch des Menschen vor sich selbst.“

Menschen zu sich selbst bringen. Wie Denken heilen kann. Die Deutung mit dem Fluchtversuch erscheint einleuchtend, denn bei existenziellen Problemen wirken keine Pille und keine Psychotherapie tief genug. Und während der Psychologe wie der Psychiater sich in gewisser Weise darauf beschränken, den aus der Bahn geworfenen Menschen wieder funktionsfähig zu machen, nimmt die Philosophie das Problem ernster. Sie will nicht an einzelnen Zuständen etwas ändern und auch nicht dafür sorgen, dass manche Dinge künftig einfach anders verarbeitet werden. Die Philosophie heilt, indem sie den ratsuchenden Menschen zu sich selbst wachruft.

In der Philosophischen Praxis endet eine Beratung nicht mit einem konkreten Ergebnis; die Beratung ist eher Anfang und Beginn eines langen Prozesses als sein Ende. Sie schraubt nicht am Menschen herum, als wäre er ein defekter Motor. Die Philosophische Beratungspraxis ist eine Initialzündung. Deshalb ist die Philosophische Praxis auch alles andere als ein staubtrockenes Unterfangen. Ganz im Gegenteil: Als echte Entdeckungsreise zum Kern des Menschen wirkt sie ebenso spannend wie befreiend. Doch so sehr sich der Philosoph auch vom Psychologen unterscheidet - oft pflegen beide gute Nachbarschaft und unterstützen sich gegenseitig in ihren Bemühungen um die bestmögliche Hilfestellung für den Klienten. Auch wird ein guter therapeutisch arbeitender Philosoph sich nicht scheuen, aus Gründen der fachlichen Sicherheit und Integrität einen versierten Psychologen bzw. Psychiater als Berater an seiner Seite zu haben. Das neue und zugleich sehr alte Angebot der Philosophie richtet sich an Menschen jeden Alters und in jeder Lebenssituation.

Ganz normale Menschen mit ganz normalen Problemen.

Es geht in der philosophischen Beratung um Daseins- und Zukunftsängste, um den Verlust naher Menschen, um Motivationsprobleme, Suchtprobleme, Konflikte in der Beziehung und am Arbeitsplatz, Erziehungsfragen und um das Verhältnis zu Autoritäten. Vor allem aber geht es um die Frage nach dem Sinn dessen, was man tut. Diese Frage nach dem Sinn erweist sich sehr schnell als die Kernfrage überhaupt: Wenn sich mir beispielsweise nicht der Sinn - der wohlgemerkt vom oft kurzlebigen, rein alltagsorientierten Nutzen zu unterscheiden ist - meines Handelns erschließt, wird dieses Handeln als sinnlos erlebt. Aus der Sinnlosigkeit des Handelns aber resultieren eben jene Alltagskonflikte, die einem das Leben in einer Beziehung oder am Arbeitsplatz zur Hölle auf Erden werden lassen. Insofern ist, wie Dr. Mussenbrock betont, die seit jeher gern der Elfenbeintürmerei bezichtigte Philosophie sehr lebensnah und praxisorientiert. Der Philosoph von heute lebt denn auch keineswegs mehr wie sein antiker Vorgänger Diogenes in der Tonne. „Der Praxisbetrieb“, so Mussenbrock, „kostet Geld. Folglich kann auch das Angebot einer philosophischen Beratung nicht kostenfrei sein.“ Im Bundesdurchschnitt kostet eine 90minütige Sitzung 50 Euro.

Die Klienten der Philosophischen Praxis zahlen das Beraterhonorar selbst, da derzeit keine Krankenkasse die Kosten erstatten darf. Doch die Klienten halten die Ausgabe offenbar für eine gute Investition und honorieren den Einsatz des Philosophen durch die Teilnahme an im Durchschnitt 15 Sitzungen. Die meisten Sitzungen dauern mit 90 Minuten deutlich länger als konventionelle Gespräche - der Weg zu den Wurzeln des eigenen Sinnerlebens erfordert Zeit.

Methodische Unabhängigkeit.

Der vielleicht größte Unterschied der Philosophischen Praxis gegenüber kirchlichen, psychologischen oder psychiatrischen Beratungsangeboten liegt in der völligen Unabhängigkeit der Philosophie von bestimmten Lehrmeinungen. Der Philosoph ist im Gespräch mit hilfesuchenden Menschen nicht auf eine konkrete Methode festgelegt, die bestimmten Schemata und Mechanismen folgend zu Ergebnissen führt, die von vornherein festzustehen scheinen. Der Psychologe wird stets eine bestimmte Form der Therapie vorschlagen; der Psychiater wird in der Regel zu einer konkreten, oft medikamentös unterstützten Verordnung gelangen; der Theologe wird früher oder später wieder bei Gott anlangen. Der Philosoph hingegen arbeitet ohne Zwang und Korsett. Er sieht seine Aufgabe darin, im Dialog die Probleme zunächst bewusst zu machen, um sodann Hilfestellungen zu entwickeln, die ausschließlich aus der existenzialen Situation des Ratsuchenden abgeleitet werden.

„Hebammenkunst“ als Inbegriff Philosophischer Praxis.

Sokrates (469-399 v.Chr.), einer der Väter der Philosophie und Lehrmeister Platons, begriff die von ihm mehr gelebte als theoretisch verfasste Philosophie als Maieutik, als Hebammenkunst: In langen, bohrenden Gesprächen mit seinen Mitmenschen holte er mit unendlicher Geduld des Fragens und Nachfragens etwas aus ihnen heraus, das nichts mehr zu tun hatte mit anerzogenen Meinungen und vorgefassten Lebensbewältigungsmustern. Sokrates ging es um die wahre, echte Erkenntnis. Hierzu braucht man Mut, denn radikales philosophisches Fragen geht an die Fundamente. Liebgewonnene Selbstverständlichkeiten werden da leicht zu Irrtümern. Das wird nicht immer honoriert: Sokrates galt seinen athenischen Mitbürgern als Verführer der Jugend und wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet. Wer dem Wirken des Urvaters der Philosophischen Praxis nachspüren möchte, dem sei die Lektüre eines seiner Dialoge im Werk Platons empfohlen, die auch heute noch überraschend zeitgemäß sind.

Angebot und Qualität.

Wenn Sie Interesse an einer Philosophischen Beratung haben oder jemandem eine Philosophische Beratung vermitteln möchten: Über www.google.de finden Sie bundesweit einige Dutzend Praxen. Da die Bezeichnung „Philosophische Praxis“ nicht gesetzlich geschützt und Ausbildungsgänge nicht geregelt sind, sollten Sie bei der Auswahl die fünf nachfolgenden Fragen stellen. Werden alle Fragen mit „Ja“ beantwortet, können Sie sicher sein, ein solides und seriöses Beratungsangebot gefunden zu haben. Wird eine Frage verneint oder verweigert ein Praxisbetreiber die Auskunft, sollten Sie Abstand nehmen und weitersuchen.

  • Machen der Betreiber und die Praxisräume einen professionellen Eindruck?
  • Ist das Erstgespräch kostenlos?
  • Ist der Anbieter ausgebildeter Philosoph (Studium, möglichst Promotion) und in der Internationalen Gesellschaft für Philosophische Praxis organisiert?
  • Ist das Beratungsangebot in Form einer schriftlichen Unterlage bzw. eines Internetauftritts konkretisiert und nachvollziehbar?
  • Unterzieht sich der Anbieter einer regelmäßigen Kontrolle durch erfahrene Kollegen („Supervision“)?

 

Hinweis: Sind Anzeichen einer ernsten psychischen oder körperlichen Erkrankung erkennbar, sollte unbedingt auch medizinischer Rat eingeholt werden!

Weitere Informationen unter:
BKK für Heilberufe:
Adressen Philosophische Praxen
www.igpp.org
www.hentopan.de

Anmerkung:
Serie: Partner in Sachen Gesundheit

Liebe Kunden!

Nachdem der Bericht über das „Therapeutische Reiten“ von Ihnen sehr positiv aufgenommen wurde, werden wir Ihnen auch künftig therapeutische Ansätze näher bringen, die - obwohl sie keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung sind - in vielen Fällen erfolgreich angewandt werden. Wir setzen die Serie mit diesem Bericht über die „Philosophische Praxis“ fort, möchten jedoch ausdrücklich darauf hinweisen, dass leider keine Möglichkeit der Kostenübernahme bzw. Bezuschussung seitens einer gesetzlichen Krankenversicherung besteht.

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