Die Seele zum Klingen bringen. Wie Musiktherapie Schmerzpatienten helfen kann.
Die Seele zum Klingen bringen.Wie Musiktherapie Schmerzpatienten helfen kann.
Musik gehörte zu allen Zeiten zum Leben der Menschen. Auch das Heilen mit Musik hat eine lange Tradition. Ägyptische Papyrusrollen beschreiben den Einsatz von Musik bei Geburten, das Alte Testament berichtet von der Heilung des König Saul vom „bösen Geist“ durch das Zitherspiel Davids. Auch im Mittelalter gehörte Musik zur medizinischen Behandlung - bis 1550 war Musik selbstverständlicher Bestandteil des Medizinstudiums.
Und heute? Jeder weiß, dass das bewusste Hören von Musik entspannend wirken kann - in manch einem modernen Operationssaal und in vielen Zahnarztpraxen gehört die Begleitmusik dazu. Musik kann Atemrhythmus, Herzfrequenz und Blutdruck harmonisieren, beschwingen, fröhlich oder traurig machen. Auch das sind therapeutische Wirkungen von Musik. Diese besondere Eigenschaft von Musik, einen unmittelbaren Zugang zu Erinnerungen, Stimmungen und Gefühlen zu schaffen, findet ihre Erklärung in der Bedeutung des Hörens in der Entwicklung des Menschen:
Im Laufe der Evolution haben sich die meisten der wahrnehmungsverarbeitenden Gehirnzentren (Seh-, Geruchs- und Tastsinn) in den Bereich der sich entwickelnden Großhirnrinde verschoben. Das Hörzentrum aber ist in den älteren, tieferen Schichten des Gehirns geblieben. So erklärt sich auch, dass akustische Informationen selbst schwer verletzte Komapatienten, deren Großhirn nicht arbeitet, erreichen können.
Bereits in der embryonalen Entwicklung des Menschen nimmt das Hören eine Sonderstellung ein. Schon im fünften Schwangerschaftsmonat ist das Gehör so weit ausgebildet, dass es auf Laute reagiert. Das Kind hört schon im Mutterleib vielfältige Geräusche und Klänge und natürlich die Stimme der Mutter. Diese kann es gleich nach der Geburt wiedererkennen und von anderen Stimmen unterscheiden.
Grundlagen moderner Musiktherapie
Seit dem Ende der 50er Jahre entwickelte sich die Musiktherapie zu einem eigenständigen Berufsbild mit unterschiedlichen therapeutischen Ansätzen, wobei ein wesentlicher Unterschied zwischen aktiver und rezeptiver Musiktherapie liegt. Aktive Musiktherapie nutzt Musik als Medium, um Gefühle und Stimmungen auszudrücken. Sie ist ein psychotherapeutisches Verfahren und bedeutet sowohl gemeinsames Musizieren im Sinne von Kommunikation zwischen Patient und Therapeut als auch das therapeutische Gespräch über das Erlebte.
Der Weg über die Musik verschafft der Musiktherapie den Vorteil, besonders schnell einen emotionalen Zugang zu schaffen und auch Patienten zu erreichen, die gesprächstherapeutischen Verfahren erst einmal ablehnend gegenüber stehen. Sie wird u. a. in der Schmerztherapie und bei psychosomatischen Erkrankungen, aber auch bei verhaltensauffälligen und behinderten Kindern und Jugendlichen erfolgreich eingesetzt.
Rezeptive Musiktherapie dagegen entfaltet ihre Wirkung durch das Hören von Musik, Einsatzgebiete finden sich z. B. bei Komapatienten und Demenzkranken.
Wie läuft eine Musiktherapiestunde ab?
Patient und Therapeut begegnen sich in einem Raum, in dem unterschiedliche Musik- und Klanginstrumente bereit liegen. Üblicherweise finden sich verschiedene Trommeln, Pauken, Flöten, Leiern, Monochorde, Rasseln und vieles mehr. Da musikalische Kenntnisse in der Musiktherapie ohne Bedeutung sind, sind es meist einfache Instrumente, denen man intuitiv Töne entlocken kann. Auch Klavier und Schlagzeug sind häufig vorhanden. Der Therapeut fordert den Patienten auf, nach Belieben Instrumente auszuprobieren und eines auszuwählen, das ihn anspricht. Oft begleitet der Therapeut die Suche mit eigenen Klangideen, woraus sich ein erster musikalischer Dialog entwickeln kann. Der Patient wird ermutigt, seine gegenwärtige Stimmung musikalisch mitzuteilen. Dabei geht es nicht um das Spielen eines Instruments im üblichen Sinne, jede Klangerzeugung ist Musik im Sinne der Musiktherapie. Aufgabe des Therapeuten ist es, die Stimmung des Patienten zu erfassen und seine Improvisation musikalisch und später auch im therapeutischen Gespräch aufzugreifen.
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