Die Seele zum Klingen bringen. Wie Musiktherapie Schmerzpatienten helfen kann.

 

Musik in der Schmerztherapie

Musik in der Schmerztherapie

In der Behandlung chronischer Schmerzen wird Musiktherapie im Rahmen eines umfassenden Therapiekonzepts vielfach in Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen eingesetzt. Der Schmerz wird bei chronisch Schmerzkranken häufig zum Fokus des Lebens, positive Erfahrungen persönlichen Wohlbefindens können nicht mehr wahrgenommen werden. Durch die emotionale und kreative Aktivierung schöner Momente aus der Erinnerung kann Musiktherapie die Schmerzwahrnehmung dämpfen und gleichzeitig den Aufmerksamkeitsfokus verändern.

Herr S., 53 Jahre alt, 2 Kinder, Eisenbahner, leidet bereits seit 4 Jahren unter starken Rücken- und Schulterschmerzen, als er in die Musiktherapie kommt. „Sie sind meine letzte Rettung - ich habe schon alles probiert, aber keiner kann mir helfen“, sind seine ersten Worte.

Der Musiktherapeut bittet Herrn S., sich an einen besonders schönen Moment in seinem Leben zu erinnern. Als ihm nach langem Grübeln sein Hochzeitstag einfällt, leuchten seine Augen. Therapeut und Patient beginnen, dieser schönen Erinnerung eine klangliche Gestalt zu geben: Die fröhliche Stimmung der Hochzeitsfeier wird durch die Musik zurückgeholt.

Herr S. spielt auf einer Handtrommel einen Walzerrhythmus, der Musiktherapeut begleitet am Klavier. Langsam verändert sich die Körperhaltung von Herrn S., er wirkt auf einmal viel vitaler.

Auf seine Schmerzen angesprochen, sagt er, dass er diese beim Musizieren gar nicht gespürt habe - nach der Musik seien sie aber sofort wieder da gewesen. Auch in den folgenden Therapiestunden werden Improvisationen zu schönen Lebensmomenten des Herrn S. gespielt. Durch die gemeinsame klangliche Gestaltung bekommen diese positiven inneren Bilder wieder mehr Raum in seinem Fühlen und Denken. Im weiteren Verlauf der Therapie kann sich die starke Fokussierung auf den Schmerz etwas lösen. Neue, lange nicht erlebte Gefühle von „Ausgefüllt-Sein“ oder gar „Glück“ werden wahrgenommen und wiederum auf Instrumenten mit neuen Klängen hörbar gemacht. In der letzten Therapiestunde sagt Herr S.: „Als ich hergekommen bin, war ich nur krank, jetzt bin ich zwischendurch auch immer mal wieder gesund. Das erleichtert es sehr, mit den Schmerzen umzugehen.“

Die Musiktherapie hat bei Herrn S. zu einem Wiederentdecken von positiven Erinnerungen und damit zu einer „Aufweichung“ festgefahrener Denkmuster geführt, was ihn nun befähigt, neben seinen Schmerzen auch wieder anderen Gefühlen und Gedanken Ausdruck zu verleihen. Ein positiveres Umgehen mit den Schmerzen führte dazu, dass seine Schmerzen letztlich nicht mehr ganz so schmerzhaft waren. (Fallbeispiel nach Unterlagen der „Deutschen Gesellschaft für Musiktherapie“)

In der modernen Musiktherapie gibt es viele verschiedene Ansätze für die unterschiedlichsten Bedürfnisse. So wird Musiktherapie auch in der Behandlung wahrnehmungsgestörter oder behinderter Kinder, in der Betreuung älterer Menschen, von Wachkomapatienten sowie in der Sterbebegleitung angewandt. Bei der Auswahl eines Musiktherapeuten beachten Sie bitte: „Musiktherapeut“ ist eine ungeschützte Berufsbezeichnung. Ein seriöser Musiktherapeut sollte ein einschlägiges Fachhochschul- oder Hochschulstudium bzw. ein musiktherapeutisches Aufbaustudium absolviert haben. Entsprechende Adressen erhalten Sie von der Deutschen Gesellschaft für Musiktherapie.

Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie / Bundesgeschäftsstelle Libauer Str. 17 · 10245 Berlin · Tel. 030/294 924 93 · www.musiktherapie.de

 

Buchtipp zum Weiterlesen:

Werner Kraus (Hg.), Die Heilkraft der Musik. Einführung in die Musiktherapie, Verlag C.H. Beck, München 2002. 12,90 €.

Anmerkung:

Serie: Partner in Sachen Gesundheit

Liebe Mitglieder!

Nach dem „Therapeutischen Reiten“ und der „Philosophischen Praxis“ nunmehr ein weiterer ungewöhnlicher, jedoch bereits in vielen Fällen erfolgreich angewandter therapeutischer Ansatz. Die überwiegend sehr positive Resonanz auf unsere Berichterstattung ermuntert uns dazu, diese Serie auch weiterhin fortzusetzen.

Wir möchten jedoch ausdrücklich darauf hinweisen, dass auch in der Musiktherapie derzeit leider keine Möglichkeit der Kostenübernahme bzw. Bezuschussung seitens einer gesetzlichen Krankenversicherung besteht. Ausnahme: Die Musiktherapie kann Bestandteil einer stationären Schmerztherapie sein. In diesem Fall ist die Kostenübernahme selbstverständlich gewährleistet.

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