Natur macht stark!
Warum Mediziner und Psychologen Natur als wichtigen Faktor unserer Gesundheit sehen
Natur ist gesund – das hört sich nach einer Binsenweisheit an. Dahinter stehen aber glasklare medizinische Fakten: Viele der sogenannten Zivilisationskrankheiten sind nicht auf äußerliche Faktoren zurückzuführen wie krankmachende Stoffe, sondern auf die Tendenz, dass der moderne Mensch sich immer seltener in der Natur aufhält. Es gibt deutliche Anhaltspunkte dafür, dass sowohl unsere Immunabwehr als auch unser seelischer Zustand von einem „Zurück zur Natur“ profitieren würden. Und damit sind nicht nur gelegentliche Sonntagsausflüge bei schönem Wetter gemeint.
Natürliche Ernährung aus dem Reagenzglas?
Die Ernährungsindustrie versucht uns mit großem Werbeaufwand weiszumachen, dass Produkte mit hohem Verarbeitungsgrad auch die hochwertigsten seien. Sie machen in der häuslichen Zubereitung tatsächlich die wenigste Arbeit, werden aufgrund von Nährstoff- und Vitaminzusätzen als „ernährungsphysiologisch sinnvoll“ angepriesen und orientieren sich im Geschmackserlebnis an mitteleuropäischen Durchschnittswerten. Die Fachwelt nennt solches Retortenessen „Convenience food“ – bequemes Essen. Schön blöd, wer sich da noch selbst in die Küche stellt, Rosenkohl putzt, ein artgerecht aufgezogenes Hähnchen ausnimmt oder einen Obstsalat aus frischen Zutaten herstellt. Oder wäre genau das eher schlau? Immerhin kann es sehr reizvoll sein zu entdecken, wie außergewöhnlich frisch geerntetes Obst oder Gemüse der Saison schmeckt. Oder dass unser Hähnchen tatsächlich ein Vogel war und nicht als panierte Presspappe zur Welt gekommen ist – und dass dieser natürlich aufgewachsene Vogel ein unglaubliches Aroma entfalten kann, wenn man ihn mit guten Zutaten und Liebe zubereitet. Der Lohn für die Küchenmühen: Werden die Speisen sorgsam zubereitet, lernen wir auch das bewusste Genießen wieder. Immerhin ist es auch in unseren Breiten gerade mal erst zwei, drei Generationen her, dass der Sonntagsbraten etwas Besonderes, der Hunger hingegen ein oft gesehener Gast bei Tisch war. Doch das momentan vorhandene Überangebot an industriell hergestellten, preisgünstig erhältlichen Nahrungsmitteln jeder Art und Herkunft hat uns dazu gebracht, Essen als Lebensmittel nicht mehr ernst zu nehmen. Wir essen heute nicht mehr in erster Linie, weil unser Magen starke Hungergefühle signalisiert. Sondern wir essen, weil wir gerade Lust auf einen bestimmten Schokoriegel haben, weil wir nach einem bestimmten Geschmackserlebnis süchtig sind, weil ein bestimmtes Nahrungsmittel gerade angesagt ist. Und wir essen, ohne nachzudenken aus purer Gewohnheit. Auch hier ließe sich Natur auf einfachste Weise wiederentdecken. Und auch hier würde es mit Gewinn geschehen.
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